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Expertisen Jürgen Radojewski

Auszüge der Eröffnungsrede von Karlheinz Strötzel im Wasserturm Wesel (Juni 2009):

"Bei den Ölgemälden zum Peer Gynt Zyklus hat man schon beim bloßen Betrachten die Melodien von Edvard Grieg im Ohr. Beim Anhören der Musik erschließen sich durch diese bildnerischen Werke neue Bildwelten, in die man eintauchen kann.

In einigen dieser Arbeiten sind Fundsachen wie Blüten, Steine, Holz oder Federn eingearbeitet. Die Bilder haben deshalb auch eine unterschiedliche und spannende Oberflächenkonsistenz. Jürgen Radojewski hat durch Übermalungen diese Fundsachen zu neuem Leben erweckt und durch abstrakte Formen, Flächen und Strukturen spannungsreich, ja expressiv neu definiert.Die Formen und Strukturen der eingearbeiteten Materialien erschließen sich aus der Nähe der Betrachtung, aus der Distanz gesehen gehen diese Formen voll in der malerischen Ebene auf. Die Bilder wechseln in den Dimensionen, Räume werden zweidimensional in der Fläche dargestellt, erscheinen aber durch den gekonnten Umgang mit Licht und Farbe dreidimensional. Die eingearbeiteten Materialien sind dreidimensional, durchbrechen aber die malerische dritte Dimension.

So entstehen kunstvoll umgesetzte Formen fließender Wahrnehmung sehr bewusster Art. Wer sich darauf einlässt, kann für sich neue Ebenen der Wahrnehmung erschließen."

Auszüge einer Expertise von Mathias Wais, Dortmund (Dez.98):

"Augenscheinlich wollen Bilder von Jürgen Radojewski nicht primär etwas "bedeuten", sondern sie sind etwas. Lassen wir uns darauf ein, so können wir unmittelbar empfinden, wie wir durch die Farbbewegung und Farbbegegnung hineingeführt werden in einen Raum, der sich jenseits des Sichtbaren, jenseits des materiellen Bildes auftut... Wir haben in einer Reihe von Bildern zum einen etwas Augenfälliges, Diesseitiges...und wir haben etwas,das wir eigentlich nur als einen Lichtraum vermuten können.

Das Gefühl kann sich einstellen, Zeuge zu sein dabei, wie ein Vorhang gelüftet, eine Schwelle gerade überschritten wird.Wir treten also mit den Bildern ein in eine Sphäre des Übergangs...Wir erkennen in den meisten Bildern eine Zuspitzung des Geschehens, meist in Gestalt einer Art Horizontlinie, die aber auch schräg, diagonal oder sogar senk- recht sein kann.Diese hier häufig anzutreffende Mittellinie scheint ein Ort der Zuspitzung zu sein. Hier berühren sich Sichtbares und Unsichtbares, das Faktische und das Mögliche.Hier ist die Sphäre des Übergangs. Weder bildet der Maler also Faktisches ab, noch spekuliert er über jenseitige, den Sinnen nicht greifbare höhere Sphären, sondern er fordert dazu auf, diese Atmosphäre der Zuspitzung anzunehmen, welche sich einstellt, wenn wir in die Sphäre des Übergangs eintreten.

Da sind aber auch andere Bilder, heller von vorne herein, heiter sogar. In diesen Bildern walten offensichtlich andere Freiheitsgrade, es ist gestalterisch viel mehr möglich. Eine Stimmung des Spielerischen kann sich einstellen.Diese Bilder befinden sich in dem Augenblick vor dem Übergang des Irdisch-Konkreten. Wir blicken also von der anderen Seite her auf die skizzierte Schwelle. Sie sind ja nicht einfach nur kindlich- spielerisch träumerisch. Das Linienspiel ist häufig schwarz, die Farb- ränder geraten manchmal ungewöhnlich scharf. Man weiß hier schon von der Schärfe, die in der Berührung liegen kann zwischen dem Möglichen und der materiell-irdischen Einengung.

Auf solche Vorgänge in der um Erkenntnis bemühten Seele also scheinen mir Jürgen Radojewskis Bilder uns hinzuführen.Der Maler führt uns auch in die Frage, wie mit solchen Schwellenmomenten des erkennenden Erlebens umgegangen werden kann: gestaltend. Erkennen und Gestalten sind eins. Der Künstler ist der Erkennende wie der Erkennende ein Künstler ist."

"Es ist wie Musik-Hören,es ist ein Vorgang in der Zeit, nicht ein Sehen im Augenblick, in den wir hineingenommen sind.Hinter dem augenblicklich sichtbaren Bild tut sich noch ein Raum auf, aus dem empfangen wird, ebenso spontan wie ehrfurchtsvoll empfangen wird, ebenso absichtslos wie wohl vorbereitet."

Mathias Wais, Oktober 1997

 
     
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